Entwicklung Studiengebühr: verdientes Ende oder verpasste Investition

Bis 2005 wurde das Erheben von Studiengebühren durch das Hochschulrahmengesetz des Bundes verboten. Nachdem einige Bundesländer dagegen klagten – sie führten an, Hochschulreglungen seien Sache der einzelnen Bundesländer, weshalb die Reglungen des Bundes insofern nichtig seien – und vorm Bundesverfassungsgericht Recht bekamen, wurde in vorerst sieben Bundesländern die Studiengebührpflicht eingeführt.

Infolge der sich wandelnden Mehrheitsverhältnissen in den Landtagen und vor allem auch bedingt durch die Gewinnung von Wählerstimmen fiel in einigen Bundesländern die Studiengebührpflicht. Beispielsweise versprachen die Bündnis90/GAL, die Hamburger Grünen, im Falle ihres Wahlgewinnes 2008 die Studiengebührenpflicht abzuschaffen. Doch hielten sie nicht Wort, sondern minderten die Studiengebühr lediglich auf 375 Euro, die man wahlweise nach dem Studium bezahlen musste, sofern man ein Jahresgehalt von mehr als 30.000 Euro erreichen sollte. In den vorgezogenen Wahlen in Hamburg verloren erwartungsgemäß die Grünen und die gewählte SPD ließ die Studiengebühr ab dem Wintersemester 2012/13 gänzlich streichen.

Ähnliches geschah in Nordrhein-Westfalen. Die dort gewählte Koalition aus SPD und Grünen ließ die seit 2006/07 erhobenen Gebühren zum Wintersemesterbeginn 2011/12 streichen. Nach demselben Schema wiederholten sich die Entwicklungen auch in anderen Bundesländern. Zurzeit sind die von der CDU/CSU geführten Bundesländer Niedersachsen und Bayern die Einzigen, die weiterhin Studiengebühren erheben. Doch nachdem die bevölkerungsreichsten Bundesländer, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg, die Gebühren strichen, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch Niedersachsen und Bayern nachziehen. Denn gerade in Bayern, wo die beiden international anerkanntesten Universitäten Deutschlands stehen, kann es sich nicht leisten, Highpotentials möglicherweise mit Gebühren zu verschrecken, die sonst keiner erhebt.

Erstellt am Donnerstag, Dezember 1st, 2011 um 11:26 Keine Kommentare mglich.